Druckansicht der Seite http://www.hradetzkys.de
Zeitpunkt der Ausgabe: Freitag, 20. April 2018 / 8:38 Uhr
Alle Rechte vorbehalten - beachten Sie die Hinweise des Online-Impressums.


Was ist Theologie?
Das Wort "Theologie" ist ein griechisches Fremdwort: theos bedeutet Gott und logos bedeutet Wort, Rede, Lehre. Theologie ist also Rede, Lehre von Gott.
 
Christliche Theologie bezieht sich auf alles, was mit dem christlichen Glauben zusammenhängt.
 
Dabei steht die Theologie in einem Spannungfeld: Einerseits entzieht sich ihr Gegenstand (Gott) der menschlichen Erkenntnis - andererseits ist es Ziel der wissenschaftlichen Theologie, überprüfbare Aussagen über Gott und die Wirklichkeit zu gewinnen.
 
Wie jede andere Wissenschaft ist auch die Theologie nicht voraussetzungslos. Theologie bezieht sich auf den Glauben an Gott - und setzt ihn damit als etwas Gegebenes voraus. Glaube an sich ist zwar nicht unmittelbar zugänglich - hinterläßt aber durchaus greifbare Spuren. So entstehen z.B. Gemeinschaften, Traditionen und Bauwerke - also Materialien und Tatbestände, die Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen sein können. Auf diese Glaubenszeugnisse bezieht sich die Theologie (Geschichtsbezug). Sie ist nicht der Glaube selbst und kann diesen auch nicht erschaffen oder ersetzen. Ihre Aufgabe ist es, den Glauben zu beschreiben und ihn logisch-kohärent im öffentlichen Diskurs zu erklären.
 
Seit dem Mittelalter wird Theologie systematisch betrieben: Zunächst in Klöstern und Domschulen, später als universitäre, wissenschaftliche Disziplin, die mit allgemeinen (glaubensneutralen) wissenschaftlichen Methoden arbeitet.
 
Der Bibel kommt eine zentrale Rolle als Norm des Glaubens zu. Sie ist die Ur-Kunde des Glaubens, das Grunddokument, das den christlichen Glauben begründet. Theologie ist daher in erster Linie Schriftauslegung. Die Bibel hat der Theologie gegenüber eine kritische Funktion - und ist gleichzeitig Gegenstand exegetischer, historisch-kritischer Textwissenschaft.
 
Theologie kann und darf keinen Absolutheitsanspruch erheben. Sie verdankt sich immer einer konkreten Zeitsituation, spezifischen Arbeits-, Denk- und Deutungsvoraussetzungen und unterliegt (wie alles menschliche Denken und Handeln) ständig der Möglichkeit des Irrtums. Eine redliche wissenschaftliche Theologie weiß um die Grenzen ihrer Erkenntnismöglichkeiten. Ihre Ergebnisse haben vorläufigen, thetischen Charakter. Die Theologie ist deshalb nie am Ende des Denkens angelangt.
 
Die Hauptaufgabe der Theologie ist, zur Klärung aktueller Fragen des Glaubens, Handelns und Lehrens beizutragen. Sie hat damit eine konkrete Verantwortung für Kirche und Gesellschaft.
Zitate zum Thema
"Die Theologie ist nichts anderes als die wissenschaftliche Selbstbesinnung über die eigene Existenz als durch Gott bestimmte; sie ist also die wissenschaftliche Entfaltung dessen, was im einfachen Glauben schon da ist. Aber nicht so, als wäre der Glaube eine niedrigere Stufe, über die es kraft der Wissenschaft hinauszukommen gelte zur Gnosis."
 
Rudolf Bultmann, Zur Frage der Christologie, 1927, in: Glauben und Verstehen, Bd. 1, 8. Aufl. 1980, S. 88f.

 
"Sicut Deus a nullo intellectu valet excogitari, ita nulla definitione potest proprie definiri aut determinari."
 
"Weil Gott von keinem Intellekt ausgedacht werden kann, kann er im eigentlichen Sinn weder definiert noch bestimmt werden."
 
Augustinus, De cognitione verae vitae, c 7

© by Stefan Hradetzky. Alle Rechte vorbehalten. Jegliche Verbreitung und Verarbeitung (auch auszugsweise) nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung durch den Autor gestattet.