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Über die Paralipse möchte ich lieber schweigen als lange und ausführlich über sie zu schreiben. Der Leser würde es mir nicht nachsehen, wenn ich ihn mit diesem Stoff quälte - und ich kann es ihm nicht verdenken. Denn die Paralipse (lateinisch auch als Präterition bezeichnet) ist zu trivial, um über sie in der heutigen, stressgeplagten Zeit noch etwas verlauten zu lassen. Sie gehört ins Museum der Sprache, um dort zu vergilben und zu verstauben - oder ins dunkle Archiv nutzloser menschlicher Hervorbringungen, um dort akribisch katalogisiert und schließlich für immer vergessen zu werden. Man sollte die Paralipse gänzlich aus seinen Gedanken verbannen, und wem das nicht gelingt, der sollte wenigstens unterlassen, über sie zu sprechen - geschweige denn, über sie zu schreiben.
Die Paralipse zu verbannen und über sie zu schweigen, scheint mir allein schon deshalb geboten, weil sie in doppelter Hinsicht betrügerische Absichten verfolgt. Sie ist - mit Verlaub - eine der niedrigsten und niederträchtigsten rhetorischen Figuren, die es gibt. Denn mit der P. (ihr häßlicher Name, der sich wie eine gespenstische, halbdurchsichtige Fratze des Nachts an unser Fenster zu schieben versucht, sei fortan nicht mehr erwähnt) bekundet ein Autor oder Redner, einen oder mehrere Gegenstände seiner Darstellung zu übergehen - erwähnt sie dann aber doch. Charakteristisch ist dabei für die P. die aus meiner Sicht ethisch höchst fragwürdige Diskrepanz zwischen Absichtserklärung und faktischem Tun. Doch damit nicht genug - denn inhaltlich dient die P. dazu, einen Sachverhalt besonders hervorzuheben.
Für jeden ehrlichen Menschen entbehrt die P. daher jeglicher Anwendungsmöglichkeit - sie ist schlichtweg nutzlos, da moralisch inakzeptabel. Vielleicht ahnen Sie aufgrund dieser vagen Andeutungen schon, warum ich Sie nicht mit langen Ausführungen über die P. behelligen möchte. Gehen wir besser zu etwas Wichtigerem über, vielleicht zum Satyrspiel, das Sie sich jetzt redlich verdient haben ...

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