Safari: Zurück in den Winter
Nachdem ich im Wetterbericht gehört hatte, daß bei dem Kälteeinbruch am Donnerstag in höheren Lagen 5-10 Zentimeter Neuschnee gefallen seien, witterte ich meine Chance auf Winterbilder. Kurz nach vier, als alles noch schlief, machte ich mich auf den Weg ins Drei-Seen-Gebiet bei Ruhpolding. Mit Hilfe von GoogleEarth hatte ich mir einen hoch gelegenen Aufnahmestandpunkt an einer Forstraße ausgesucht, um die Seen im Morgenlicht fotografieren zu können.
Aber wie das bei meinen Foto-Safaris so ist, kam natürlich alles anders. Es begann schon damit, daß ich den Ausgangspunkt für den Anmarsch erst nicht finden konnte. Drei mal mußte ich hin- und herfahren, bis ich den richtigen Forstweg zweifelsfrei gefunden hatte. Umgeben von einer lautlosen, absolut sternenklaren Nacht parkte ich mein Auto in Seenähe und machte mich mit 7kg Fotoausrüstung, Stirnlampe, Wanderstöcken, Karte und Brotzeit an den Aufstieg. Auf dem dunklen, gleichmäßig ansteigenden Fußweg kam ich schnell voran und erreichte noch in der Dunkelheit den schneebedeckten Almensattel, von dem aus die gesuchte Forstraße abzweigte. Der Weg zum Aufnahmeort endete allerdings nach wenigen Metern mit einer bösen Überraschung. An einem hohen, verschlossenen Tor war im Schein der Taschenlampe zu lesen: Wildschutzgebiet, Betreten verboten bis 30. April!
Ich suchte mir einen neuen Weg, der vom Almensattel aus in die andere Richtung führte. Auch dort ein Tor - es stand offen. Auch hier ein Schild - ich verzichtete darauf, es mit der Lampe zu beleuchten und marschierte los. Nach kurzer Zeit endete der Fahrweg und ging in einen schmalen Bergpfad über. Trotz Neuschnee war er gut und sicher begehbar. Gegen 6.30 Uhr, kurz vor Sonnenaufgang, begann dann das ersehnte Schauspiel von Licht und Nebel.
Es war ein wunderschönes Erlebnis, durch die Stille des frisch verschneiten Bergwaldes zu stapfen. Die Morgensonne tauchte Schnee und Bäume in warmes Licht. Aus dem Tal stiegen Nebelschwaden auf - die erwarteten Zutaten für stimmungsvolle Fotos wirkten auch aus dieser, nicht geplanten Perspektive aus.
Leider konnte ich dem Pfad nicht ganz bis zum nächsten Almensattel folgen. Nach einer Kurve lag der Wegverlauf in schattigerem Gebiet, wo noch so viel Schnee lag, daß sicheres Gehen trotz Spikes an den Schuhen nicht mehr möglich war. Ich beschloß, umzukehren.
Als ich wieder die Fahrstraße unter den Füßen hatte und mich dem Almensattel näherte, nagte das schlechte Gewissen wegen des nicht gelesenen Schildes an mir. Was, wenn mich unten ein Vertreter der Legislative erwartet? Verschiedene Szenarien und fiktive Streitgespräche, die jeweils mit einer Anzeige endeten, gingen mir durch den Kopf. Mir wurde immer unwohler. Endlich hatte ich das Tor erreicht. Kein Mensch war weit und breit zu sehen. Ich mußte erleichtert schmunzeln, als ich klar und deutlich lesen konnte: Gatter bitte schließen.
Wieder unten angekommen, nahm ich mir noch etwas Zeit, die Wärme der Vormittagssonne am Ufer zu genießen. Ein wirklich wundervoller Morgen.
Diese Meldung stammt aus dem RSS-Newsfeed von Hradetzkys.de und wurde geschrieben am: Sat, 03 Apr 2010 10:20:05 +0200