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Geschichte: Frühzeit
Die Geschichte des Bauerngartens ist ein Spiegel mitteleuropäischer Siedlungs- und Kulturgeschichte. Sie ist geprägt von wechselnden klimatischen, kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Einflüssen und Gegebenheiten. Dabei entstanden auch regional unterschiedliche Formen und Traditionen. Der folgende Text ist ein laienhafter Versuch, die Gartengeschichte des süddeutschen Raumes in groben Umrissen zu skizzieren.
Bajuwarengarten
Bajuwarisches Dorf mit Hausgärten (Bildnachweis: s. unten)
 
Die ersten Bauern
Am Anfang der Gartenkultur in Mitteleuropa steht der Mensch, der noch ganz der Natur unterworfen ist. Als aus Nomaden seßhafte Bauern wurden, galt das Interesse vor allem den Nutzpflanzen, die damals eine hohe Bedeutung für alle Bereiche des Lebens hatten: Ernährung, Kleidung, Hausbau, Medizin, Kosmetik erforderten einen geübten Umgang mit pflanzlichen Rohstoffen. Was in der Natur nicht in ausreichender Menge und Nähe zu finden war, wurde in der Nähe des Hauses kultiviert und vor Eindringlingen sorgsam geschützt. Damit beginnt die Geschichte der Gartenkultur.
 
Dem Zaun kam dabei von Anfang an eine große Bedeutung zu. Das Wort "Garten" stammt vom indogermanischen Wort "gher", worauf sich wiederum das Wort "ghortos" (wörtlich: das Eingefaßte) zurückführen läßt. Neben einfachen Zaunformen gab es auch lebendige Zäune aus Schlehen und Weißdorn.
 
Zu den ersten Haus- und Hofpflanzen gehörten auch Haselnuß- und Holunderstrauch. Schon lange, bevor die Römer die Alpen überquerten, wurde bereits Gerste, Weizen, Hafer, Roggen, Erbse, Linsen, Bohnen, Karotten, Rüben, Hanf, Flachs (eine Faserpflanze), Waid (eine Färberpflanze), Mohn und Holzapfel (eine alte Apfelsorte) angebaut.
 
Die durch die Kultivierung von Pflanzen gewonnene Unabhängigkeit schaffte auch neue Abhängigkeiten: Man siedelte nun vor allem dort, wo fruchtbare Böden zu finden waren. War die Erde nach einigen Jahren (oft innerhalb einer Generation) ausgelaugt, mußten ganze Dörfer aufgegeben und in neue Gegenden verlagert werden, um die Versorgung der Bewohner zu gewährleisten. Nur in besonders fruchtbaren Gegenden etablierten sich länger bestehende Siedlungen.
Der Einfluß der Römer
Im Sommer des Jahres 15 v. Chr. eroberten Tiberius und Drusus, die beiden Stiefsöhne des Kaisers Augustus, das nördliche Alpenvorland. Damit machten sie dem widerspenstigen Treiben der Vindeliker ein Ende, die sich nicht freiwillig der Macht Roms unterstellen wollten. In den folgenden Jahrzehnten bauten die Römer die zu Schutz und Verwaltung des Gebietes nötige Infrastruktur immer weiter aus, u.a. durch die Anlage eines römischen Straßennetzes.
 
Mit den Römern kam auch die römische Kultur und Technologie in das dünn besiedelte Alpenvorland: Befestigte Straßen, Münzen, Militär- und Alltagsgegenstände, Archtitektur, Religion, Medizin, Handwerk. Durch Waldrodungen wurden Flächen für Acker- und Viehwirtschft gewonnen. Das dabei gewonnene Holz war wichtigster Baustoff und Energielieferant. Auf den Feldern wurde Getreide (Dinkel, Emmer, Einkorn, Gerste, Roggen) und Hülsenfrüchte (Bohnen Erbsen, Linsen) angebaut. In Gärten kultivierte man Blatt- und Wurzelgemüse (Rettich, Pastinaken, Möhren, Gartenmelde, weiße Rüben) und Gewürzpflanzen (Petersilie, Koriander, Fenchel, Sellerie). Neue Pflanzen aus dem ganzen orbis terrarum gelangten im Gepäck der Römer nach Mitteleuropa. Vor allem Kräuter, die in der römischen Küche Eingang gefunden hatten, wurden nun auch hierzulande kultiviert - ein klassisches Beispiel für Kulturtransfer. Neben den bereits genannten sind vor allem Raute, Anis, Dill, Kerbel, Senf und Koriander typisch römische Gewürzpflanzen. Auch auf dem Gebiet des Obst- und Weinbaus brachten die Römer neue Kenntnisse und Pflanzen mit.
 
Mit den römischen Legionären und Kaufleuten kam auch das Christentum in den nordalpinen Raum. Schon zur Zeit der römischen Christenverfolgungen, erst recht aber nachdem das Christentum 313 unter Kaiser Konstantin zur religio licita und später zur römischen Staatsreligion erklärt wurde, wurde es zu einer prägenden Kraft Mitteleuropas. Nach den Römern sind es vor allem die Christen, die die Gartenkultur bewahren, pflegen und weiterentwickeln. Das zeigt sich sehr deutlich während der langen Phase des Mittelalters.
Bildnachweis und Literatur
    Was mein Bücherregal hergab:
  • Bildnachweis zu "Bajuwarisches Dorf mit Hausgärten": Bildausschnitt (Zitat) aus: G. Diepolder, W. Hölzl: Idealisierte Darstellung eines bajuwarischen Dorfes mit Herrenhof und bäuerlichen Hofstellen. In: Die Bajuwaren. Von Severin bis Tassilo 488-788. Hrsg. von H. Dannheimer und H. Dopsch, 1. Aufl. 1988, Abb. 108, S. 174f. Alle Rechte beim Verlag.
  • H. J. Küster: Umwelt und Pflanzenanbau. In: ebd., S. 185ff.
  • Ursula und Wolf-Dietmar Unterweger: Das große Buch der Bauerngärten. Vereinfachte Sonderausgabe, ohne Orts- und Jahresangabe.
  • O. A. d. Verf.: Spuren einer historischen Hallstadtsiedlung gefunden. Art. in: Mitteilungsblatt der Gemeinde Maisach. 15. Mai 2003, S. 10.
  • Landesverband Bayerischer Kleingärtner e.V. (Hrsg.): Alte Kulturpflanzen - neu entdeckt. (Info-Blatt zum gleichnamigen Ausstellungsprojekt auf der Landesgartenschau Burghausen 2004.)
  • Ingrid Jütting: Die ländliche Besiedelung und ihre wirtschaftlichen Grundlagen, in: L. Wamser (Hrsg.): Die Römer zwischen Alpen und Nordmeer. Zivilisatorisches Erbe einer europäischen Militärmacht. Schriftenreihe der Archäologischen Staatssammlung Bd. 1, Mainz 2000, S. 108-114.
  • G. E. Thüry, J. Walter: Condimenta. Gewürzpflanzen in Koch- und Backrezepten aus der römischen Antike. Hrsg. von Michael Kiehn, Institut für Botanik und Botanischer Garten der Universität Wien. 3. Aufl., Herrsching 1999.
 
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